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Das neue Museumsportal

Für das neue Eingangsgebäude hat man sich bewusst für zeitgenössische Architektur entschieden. Denn anders als die Gebäude im Museumsdorf repräsentiert dieses nicht eine Lebens- und Arbeitssituation der Vergangenheit, sondern Bedürfnisse der Gegenwart: ein großes Foyer mit Wartebereich für Gruppen, ausreichend Toiletteanlagen, einen Shopbereich sowie die für den Betrieb eines großen Museums und dessen wissenschaftliche Aufarbeitung notwendigen Büros, Archive und Bibliotheken. Das alles natürlich barrierefrei!

nach obenKonstruktion

Das Gebäude besteht im wesentlichen aus 2 Teilen, einen größtenteils eingeschütteten Betonbaukörper und einer darauf errichteten Holzkonstruktion.


Der Betonbaukörper ist so im Hang situiert, dass er an der Süd-, Ost- und Westseite vollständig eingeschüttet ist und von außen nicht wahrgenommen werden kann. An der Nordseite ragt er aus dem Hang, die Außenwände wurden auf Stahlbetonsäulen reduziert und mit einer raumhohen Verglasung versehen, um die dahinter liegenden Büroräumlichkeiten sowie das Ausgangsfoyer zu belichten. Im finsteren, eingegrabenen Teil des Untergeschoßes sind Nebenräume, Haustechnik und Archive situiert. Die Decke des Ausgangsgeschoßes ist ebenfalls aus Beton gefertigt, um dem Unterbau die entsprechende statische Steifigkeit zu geben und ausreichend Speichermasse für Kühlung zur Verfügung zu stellen.
Der Beton selbst, für Fundamentplatte, Decke und als Füllbeton für die Stahlbetonfertigteile ist ein „Öko-Beton“ und zeichnet sich durch den viel geringeren CO²- Ausstoß bei der Zementproduktion sowie durch seine Beschränkung in den Anlieferstrecken auf die Baustelle aus.


Die auf dem Betonkörper stehende Holzkonstruktion entlehnt seine Materialität von bäuerlichen Stadeln: Er ist aus heimischen Fichtenholz konstruiert, hoch wärmegedämmt und mit dunkel gestrichenen Brettern verkleidet. Konstruktiv wird hier zwischen dem großen, offenen, stützenfreien Foyer und den jeweils seitlich angeordneten Nebenbereich unterschieden. Vier große Leimbinder überspannen das stützenfreie Foyer und bilden die Auflager für die darüber liegenden Dachelemente, welche an beiden Enden weit auskragen. Die erforderliche, nach unten schräge Abstützung der Auskragung gibt den Rahmen die typische Form.
Die symbolische Gestalt des Rahmens (Form), die Erfordernis des Sonnenschutzes durch das tiefe Vordach (Funktion) sowie die konstruktive Durchbildung (Statik) gelangen so zu einem harmonischen Ganzen, und entspricht so den historischen Vorbildern der Stadeln, wo auch Form, Funktion und Konstruktion (Statik) die bekannte Harmonie erzeugt!


In den geschlossenen Rahmenteil, links und rechts vom Foyer sind, ist ein Cafe und ein Shop untergebracht. Diese Bereiche bestehen jeweils aus einem durchgesteckten Hauptraum um den sich Nischen und Nebenräume gruppieren. Für die jeweiligen Haupträume (Gaststube und Verkaufsraum) wurde in Anlehnung an die Steildächer des Museumsdorfes keine ebene Decke, sondern ein asymmetrisches Zeltdach mit einer öffenbaren Lichtkuppel gewählt. Neben den gestalterischen Raumqualitäten ist durch das schräge Dach und dem Dachfenster für eine natürliche Belichtung und Belüftung für diese Räume gesorgt.
Über den zugeordneten Nebenräumen wurde eine ebene Decke eingezogen und der Raum zum Hauptdach als Dachboden ausgebildet. In diesen beiden Dachböden ist jeweils eine Lüftungsanlage untergebracht, welche sich durch ein kurzes Leitungsnetz und guter Zugänglichkeit auszeichnet.
Die Bretter der Außenverkleidung sind mit Hinterlüftung auf die hoch gedämmten Riegelwände montiert. Den historischen Vorbildern entsprechend werden die Bretter vertikal eingebaut und erhalten eine gebürstete Oberfläche, wodurch das Wasser besser abfließen kann und eine höhere Lebensdauer erreicht wird. Die Längsstöße der Bretter werden mit einem Vorspringenden kurzen Querbrett geschützt. Diese sogenannten Opferbretter schützen das wasserempfindliche Hirnholz der Fassadenverkleidung und können, einfach und mit geringem Materialaufwand getauscht werden und verlängern so nochmals die Nutzungsdauer der Fassade.


Das Fassadenholz selbst ist Thermoholz, ein mit Hitze und Wasserdampf behandeltes Fichten und Kieferholz. Bei diesem Prozess werden die Bestandteile des Holzes, welches Schädlingen und Pilzen als Nahrungsgrundlage dient „verbrannt“, wodurch auf einen chemischen Holzschutz zur Gänze verzichtet werden kann. (Ein Effekt, den man auch bei alten Stadelbrettern beobachten kann, wo dieser über Jahrzehnte durch Sonne und Regen erzielt wurde.) Der dunkle Anstrich besteht nur mehr aus Pigmenten und Ölen und schafft, da er unterschiedlich durch die harten und weichen Jahresringe aufgenommen wird eine harmonische Oberfläche mit Patina, welche wiederum eine Verbindung zum historischen Bestand darstellt.

nach obenÖkologie und Gestalt
Das Museumsdorf erzählt viele Geschichten. Eine davon ist die, vom ressourcenschonenden energiebewusstem Bauen.

Einer Zeit, vor dem großen Energieboom im vorigen Jahrhundert, von einer sparsamen und teilweise auch ärmlichen Gesellschaftsschicht. Da wir zweifellos am Ende dieses ölbedingten Energiebooms stehen, ist es nur angesagt, diese Art Gebäude wieder aufzunehmen und für unsere heutigen Bauformen und gesellschaftliche Situation zu interpretieren. Beim neuen Eingangsgebäude mündet dies in einer kompakten Gebäudeform, mit einem guten oberflächen–volumenverhältnis, sehr gut gedämmten Außenwänden, Nutzung der passiven solaren Energie, unterschiedlichen Temperaturzonen im Inneren des Gebäudes entsprechend den Nutzungszeiten und Verwendung von ressourcenschonenden Materialien. Dementsprechend erreicht dieses Gebäude Passivhausstandart und wird aus CO²-neutralen Baustoffen (Holz) oder CO²-reduzierten Baustoffen („Öko-Beton) hergestellt. Die erforderliche Restenergie wird mit nachwachsenden Rohstoffen erzeugt.
Ergänzend zu diesem Low-Tech - Grundkonzept des Gebäudes finden auf dem neuesten Stand der Technik stehende, High-Tech Komponenten wie Dreischeiben Isoliergläser, im Energieverbrauch minimierte Lüftungsanlagen, modernste Steuerungs- und Regeltechnik sowie ein energieminimiertes Beleuchtungskonzept ihre Anwendung.


Eine andere Geschichte die wir an den Gebäuden des Museumsdorfes so schätzen, ist diese durchschaubare Funktionalität und ihre ehrliche Ausformulierung. Auch hier wurde für das neue Museumsdorf der Geist (und nicht die Oberfläche) aufgenommen und für die neue Funktion interpretiert. (Wir alle kennen die Beispiele, wo wohl proportionierte Bauernhäuser, unschuldige Landschlösser zu gigantischen Hotels aufgeblasen wurden. Die Verwendung von Dachformen, oberflächlichen Stielelementen, und Fenstersprossen.) Das Grundkonzept mit einem großen Rahmen auf das Museumsdorf zu fokussieren sowie ein Torgebäude für das Ausstellungsgelände zu errichten, wurde den Vorbildern entsprechend konsequent und schnörkellos umgesetzt; mit der Materialität wurde die Verbindung zum Dorf und die Eingliederung in die Umgebung hergestellt.


Mit Gustav Mahlers Ausspruch: „Tradition sei nicht die Anbetung der Asche sondern die Weitergabe des Feuers“ kann man den Bildungsauftrag des gesamten Museums sowie die Gesamtkonzeption des neuen Eingangsgebäudes sehen!