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Kleinhäuslerhaus aus Wilfersdorf - Täuferausstellung

Das Kleinhäuserhaus wurde bereits 1600 im Dienstbuch der Herrschaft Wilfersdorf als Zuleuthstübl bezeichnet. Durch seine Lage am Ortsrand besitzt es eine ganz besondere Bauweise, die auch beim Wiederaufbau 2008 in Niedersulz berücksichtigt wurde.

Ab 1750 bis 1819 ist es im Grundbuch als „Kleinhäusl“, als Wohnhaus mit Zimmer und Kammer, mit Stallung, Garten und geteilter Hutweide eingetragen. Es war der Kuhhirt, der hier wohnte und mit dieser Standesbezeichnung war auch eine für das Dorf wichtige öffentliche Funktion verbunden.

Dann geht das Haus an Johann Herbst über. Er war Maurer und Kleinhäusler. Zum Haus gehörten damals zwei Äcker und zwei Weingartenparzellen und der Liechtensteinischen Grundobrigkeit war er jährlich 12 Handtage an Roboth schuldig.

Die letzten Bewohner des Kleinhauses waren von 1943 bis 1988 Josef und Franziska Hochmeister. Die Wilfersdorfer erinnern sich noch gern an das Ehepaar Hochmeister, die in alter Kleinbauertradition lebten und gemeinsam ihren Betrieb führten.

2007 wurde es von Josef Hienerth gekauft, der die Übertragung ins Museumsdorf anregte. Das Häuschen selbst verdankt seine außergewöhnliche Bauweise seinem besonderen Standort. Wie alle Kleinhäuser war es an den Rand des Dorfes gedrängt worden, am Heiligen Berg hinter Kirche und Pfarrhaus, eingezwängt zwischen Presshäuser und Keller. Durch die Lage an einem Hang mussten sogar Teile der Stallungen und der Vorratsräume in den Berg gegraben werden.

Trotz der beengten Platzverhältnisse ist noch immer die im Weinviertel typische L-Form erkennbar, der Zwerchhof, mit dem quer gestellten Wohntrakt, an den ein kurzer Längstrakt mit den Stallungen anschließt. Diese spezielle Hangnutzung ist eine Spielart des Häuslerhauses, die bis jetzt noch nicht im Museumsdorf vertreten war. Bei der Übertragung des Hauses wurde wieder genau auf diese Besonderheiten eingegangen.

Der Standort in der Kellergasse imitiert den Originalstandort am Rand des Dorfes und auch für die Stallungen wurde der dort befindliche Hang genutzt. Das Haus überrascht mit weiteren baulichen Besonderheiten: In das Haus führt ein Vorkappl mit einer Rundbogentüre. Gleich im ersten Raum befindet sich die alte Rauchkuchl mit dem offenen Herd, die später durch einen gesetzten Herd mit blauen Kacheln ersetzt wurde. Rechts davon kann man nur über eine Stiege in die angrenzende Stube gelangen, gemäß dem Verlauf des ansteigenden Geländes. Dahinter erreicht man Speisekammer, Futterkammer und einen Erdkeller, die alle kaum über Licht verfügen, weil das Gebäude ab hier schon in den Hang gebaut ist.

Diese Räume beherbergen nun die erste ständige Ausstellung über die Geschichte der Hutterer, einer reformatorischen Religionsbewegung, die sich um 1528 in den Liechtensteinschen Besitzungen in Südmähren und dem angrenzenden Weinviertel ansiedelte.