Mehr als Übungsstücke: Stickmustertücher als aufschlussreiche Quellen
Vortrag von Dr. Birgit Johler
23. Mai 2026, 14:00 Uhr
im Pfarrhof aus PottenhofenStickmustertücher sind in vielen volkskundlichen und historischen Museumssammlungen zu finden. Zumeist sind sie mit dem Kreuzstich gearbeitet – mit bunten oder einfärbigen Garnen, sie zeigen Zahlenreihen, Alphabete, Monogramme, auch Muster und bildliche Motive.
Der Kreuzstich zählte und zählt zu den beliebtesten Sticktechniken und erlebt aktuell im Zuge von Do-it-yourself und auch der sogenannten Craftivism-Bewegung – einer künstlerischen Richtung, die „typisch weibliche“ Handarbeit mit Aktivismus verbindet – ein Wiederaufleben. In dem Vortrag geht es um eine besondere Art von Kreuzstich-Objekten: den Stickmustertüchern. Mit dem Blick der materiellen Kulturforschung betrachtet, können diese Objekte nicht nur von Handarbeitsübungen im Kontext von Frauenbildung im 19. und frühen 20. Jahrhundert erzählen, sondern geben auch Einblicke in Vorstellungen davon, was als „typisch eigen“ galt. Am Einzelstück lassen sich die Technik und die Fertigkeiten der Stickerinnen und auch Sticker bewundern, in der Zusammenschau eröffnen Mustertücher Aspekte einer (heute beinahe vergessenen) Geschichte einer ästhetischen und kulturellen Regulierung.
Birgit Johler ist Kuratorin am Heeresgeschichtliche Museum in Wien, davor im Volkskundemuseum in Graz, sowie Honorarprofessorin für Europäische Ethnologie an der Universität Wien.
Anmeldung erbeten: anmeldung@museumsdorf.at