„Am häuslichen Herd sei Glück dir beschert“ – gestickte Klischees um 1900
Sonderausstellung von 12. April bis 1. November 2026Die Sonderausstellung zeigt ausgewählte Wandschoner, bekannt als „Spruchdeckerl“, und andere Heimtextilien aus der Sammlung des Weinviertler Museumsdorfs Niedersulz, die mit klischeehaften Bildern und Sprüchen vor allem zur Rolle der Frau um 1900 bestickt sind. Thematisiert wird das damalige Idealbild einer Hausfrau, Ehefrau und Mutter und den damit einhergehenden Verpflichtungen. Schließlich waren die sparsame und ordentliche Haushaltsführung sowie das leibliche und emotionale Wohlergehen der Familie – insbesondere des Ehemannes – propagierte Aufgaben der Frau.
Das Bild der Hausfrau als ausschließlich im Haus und für die Familie tätig ist ab dem Biedermeier im bürgerlichen Bereich entstanden und traf in bäuerlichem und handwerklichem Milieu nicht zu. Frauen hatten sowohl in der Landwirtschaft als auch in einem Handwerksbetrieb zahlreiche Arbeitsbereiche, in denen sie maßgeblich zum Familieneinkommen beitrugen. Dementsprechend oblag die Betreuung von Kleinkindern nicht ausschließlich den Müttern, sondern gleichermaßen Mägden, älteren Geschwistern und anderen Familienmitgliedern.
So konterkarieren einige Sprüche die Klischees, indem sie sich – manchmal durchaus ironisch – den Themen Armut und daraus resultierender notwendiger Sparsamkeit oder der Vergänglichkeit von Liebe widmen. Die Ausstellung beschäftigt sich außerdem mit der Herstellung, Verbreitung und Verwendung der Spruchtextilien.
Zu sehen sind 30 Wandschoner, Kastenstreifen sowie kleine Tischdecken, Handtücher und ein Polsterbezug mit launigem Spruch. Anhand dieser ausgewählten Spruchtextilien aus der umfangreichen Sammlung des Museumsdorfs werden sechs ineinander übergreifende Bereiche thematisiert, die den Rundgang durch die Ausstellung skizzieren: Zu Beginn steht die „Wahre Liebe“, die bisweilen ironisch zum „Guten Essen“ führt, um ad hoc zum mahnenden Thema „Sparsamkeit üb‘ jederzeit“ zu wechseln. Die „Mutterliebe ewig besteht“ und wird durch „Reinlichkeit ziert jederzeit“ zu einem Bild der Frau und Mutter vervollständigt, die das „Traute Heim“ verantwortet.
Haus zum Ausprobieren
Im Haus zum Ausprobieren können Besucher:innen die Lebensbedingungen um 1900 mit allen Sinnen erleben: Probeliegen auf einem Strohsack und einer Rosshaarmatratze, Nüsse reiben, die Lichtverhältnisse einer Petroleumlampe kennenlernen, einen Laib (Salz-)Teig in den Backofen schieben – das alles und einiges mehr darf ausprobiert werden.
Kummet-Ausstellung
Schul-Ausstellung
Entdecken Sie eine Auswahl an verschiedenen Unterrichtsmaterialen, "schulischen" Textilien und Schulbüchern. Ein Bereich ist dem aus dem Weinviertel stammenden Schulbuchautor und Schul-Historiker Ludwig Boyer gewidmet. Weiters wird das weite Aufgabenfeld, der Schulalltag und die soziale Stellung des Dorflehrers im 19. Jahrhundert thematisiert.
Evangelisch im Weinviertel
Bauernleben im Wandel
Von der Grundherrschaft zur modernen AgrarpolitikDie Täufer im Weinviertel
Lehmbau-Ausstellung
Diese Ausstellung zeigt verschiedene Lehmbautechniken sowie ihre kulturhistorische und klimatechnische Bedeutung. Im Mittelpunkt der Präsentation steht dabei ein Stück Lehmwand, das in einem Ganzteil mit Lehm, Putz und Kalkanstrich übertragen wurde.
Wurde Lehm früher als Baustoff der armen Leute angesehen, so wird er heute immer öfter aufgrund seiner Umweltfreundlichkeit und Klimaeffizienz geschätzt und gefördert.
Südmähren
Land, Leute und Geschichte(n)Südmähren und das nördliche Weinviertel waren bis 1945 ein Kulturkreis: die Bauernhöfe waren sich ähnlich, die Lebensweise und sogar die Mundart waren gleich. Aus Sehnsucht nach der verlorenen Heimat wurde der "Südmährerhof" 1982 im Museumsdorf eröffnet und von der Südmährer-Kulturstiftung betreut.